Ruinenland

 
Index     Startseite     News     Fotogalerie Burgen     Fotogalerie Lost Places
Videos     Gästebuch     Newsletter     Links     Impressum & Rechtliches


 

Eine persönliche Anmerkung zur Weitergabe von Adressen
sowie zu Anfragen nach Lagebeschreibungen oder der Verwendung meiner Fotos

- und wie ich die verlassenen Orte finde -


Trotz eines entsprechenden Hinweises bekomme ich häufig Anfragen per Email, in denen ich um die Nennung von Adressen gebeten werde. Die genaue Lage der auf meiner Website gezeigten Lost Places gebe ich an Unbekannte jedoch NICHT weiter. Dies stößt immer wieder auf Unverständnis.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle näher darauf eingehen und meine Gründe erläutern.

Der oberste Grundsatz lautet, einen Ort wieder so verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben:
„Take nothing but pictures, leave nothing but footprints.“

Diebstahl, randalieren & Vandalismus (inkl. dem Sprayen von Graffitis oder Paintball-Spiele) und Zerstörungen jeglicher Art (auch das Aufbrechen von Türen oder Fenstern, um ein Objekt betreten zu können) sowie die Entsorgung von Abfällen sind ein absolutes Tabu!

Da diese Regeln leider nicht für jeden selbstverständlich sind, gebe ich die Lage von Urbex-Objekten nur an Personen weiter, die ich kenne und denen ich vertraue! Andernfalls wäre es einfach nicht einschätzbar, wie sich jemand in einer Location verhält oder welchen Weg eine Adresse nimmt und in welche weiteren Hände sie möglicherweise gerät. Das hat wohlgemerkt nichts damit zu tun, dass ich Ortsangaben horten und auf biegen und brechen geheim halten würde, sondern dient lediglich dem Schutz der Gebäude.

Unbestreitlich ist ein Großteil der mutwilligen Zerstörungen auf meist ortsansässige Randalierer zurückzuführen, die keinerlei Interesse und Anerkennung für den historischen, kulturellen und optischen Wert verlassener Bauten besitzen. Dennoch gibt es auch genügend Beispiele von Lost Places, die jahrelang weitestgehend unberührt blieben - nach deren breiten Bekannt werden jedoch innerhalb kürzester Zeit aufgrund von Vandalismus, Graffitis, Paintball-Spielen und nicht zuletzt durch Diebstähle massiv verschandelt, geplündert und zerstört wurden.

Um nur mal ein Beispiel zu nennen:
Ein gewisses Anwesen mit allerlei Inventar lag viele Jahre quasi im Dornröschenschlaf. Nur wenige kannten es und ebenso wenige haben es besucht. Irgendwann verbreitete sich dessen Lage und es dauerte daraufhin keine sechs Monate, in denen sich der Zustand dieses Gebäudes nahezu wöchentlich verschlechterte: Kronleuchter und Inventar wurden gestohlen, verschlossene Schränke wurden gewaltsam aufgebrochen, ganze Möbel wurden für Foto-Arrangements umgestellt, Gegenstände wurden aus den Schränken gerissen. Nach etwa einem weiteren Jahr war ein Großteil der Einrichtung mutwillig zerstört, Scheiben waren eingeschlagen und Paintball-Spieler gaben dem Anwesen den Rest.

Wenn ein Objekt wie gesagt über Jahre hinweg nahezu unberührt bleibt, sich dessen Zustand aber just nach dem Bekannt werden der Adresse innerhalb kürzester Zeit derart verschlechtert, dann kann man einen Zusammenhang meines Erachtens nach nicht mehr von der Hand weisen! Zumal es sich bei dem o. g. Vorkommnis leider um keinen Einzelfall handelt, sondern es traurigerweise nur ein Beispiel von vielen ist. Es ist eben nicht so, wie immer behauptet und argumentiert wird, dass Diebstähle und Zerstörungen ausschließlich von ortsansässigen Jugendlichen begangen würden. Manche Personen - ob Kupferdiebe, die ganze Leitungen aus den Wänden reißen, oder Anhänger von „Endzeit-Spielen“ / „Military-Games“ - nehmen (wie ich für meine Fotos ja ebenso) z. T. durchaus auch längere Anfahrten in Kauf, um sich in neuen, lohnenswert erscheinenden Objekten auszutoben oder dort Beute zu machen. So erklärt sich auch, warum viele verlassene Objekte mit "Fakenamen" benannt und nicht immer Außenaufnahmen gezeigt werden. Und nicht zuletzt zerstören auch "Urbex-Dekorateure", die für ihre Fotos alles mögliche umstellen und arrangieren, jegliche Authentizität der Orte.

 Im Übrigen führen u. U. auch "Massenaufläufe", unkontrolliertes Blitzen & Ausleuchten oder lautstarke Erkundungen dazu, dass Anwohner / Eigentümer auf Besucher aufmerksam werden. Und das kann wiederum zur Folge haben, dass ein Objekt stärker kontrolliert oder gar dicht gemacht wird.

Und noch einen weiteren Aspekt sollte man nicht außer Acht lassen: Urban Exploring / das Betreten und Erkunden von verlassenen Gebäuden ist in den meisten Fällen nun mal nicht legal und auch nicht immer ungefährlich. Auch in Hinblick darauf wollte ich es nicht mitverantworten, mir unbekannte Personen in ein Objekt „zu lotsen“. Wenn ich jemanden nicht kenne, kann ich weder dessen Absichten, noch dessen Verhalten und Risikobereitschaft abschätzen. Man muss zudem nur mal die mögliche Konsequenz bedenken, wenn jemandem ein Stein auf den Kopf fiele, jemand durch eine marode Decke bräche oder Ähnliches. Und das hätte ich durch die Weitergabe einer Adresse letztendlich (zumindest indirekt) mit zu verantworten. Und somit ist es für mich bereits dadurch ausreichend begründet, dass ich den Standort der lost places mir unbekannten Personen generell nicht nicht nenne! Daran ändert sich auch nichts, wenn mir jemand schreibt, dass er in einem Objekt nicht randaliert und sich angemessen verhält (was ich eh nicht kontrollieren könnte).

Umso wichtiger finde ich es, die Motive zu erläutern, warum man mit Lagebeschreibungen, Ortsnamen und dergleichen nicht "hausieren" gehen sollte. Auch das Tauschen von Adressen mit Fremden sehe ich kritisch, da man nie sicher sein kann, welche Kreise das zieht und in welche Hände die Lage eines Objektes letztendlich möglicherweise gerät.
Ich muss zugeben, dass ich in meiner Anfangszeit diesbezüglich selbst etwas unbedarft und naiv war und mir zu wenige Gedanken darüber gemacht habe. Aber aus Fehlern lernt man bekanntlich und zum Glück lernt man nie aus. Früher dachte ich "Mir macht das Erkunden und Fotografieren Spaß, warum soll ich anderen das vorenthalten?" Aber heute sehe ich das aus genannten Gründen differenzierter, bzw. muss es bedauerlicherweise aus einem anderen Blickwinkel sehen.

Es gibt genügend Möglichkeiten, Gleichgesinnte kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und erst mal gegenseitiges Vertrauen aufzubauen - sei es über Aktivität in entsprechenden Foren, der Teilnahme an Urbex-Treffen usw. Daraus ergeben sich letztendlich auch gemeinsame Touren. Ich habe in meiner Anfangszeit auch nicht die Adressen auf einem Silbertablett serviert bekommen; das Auffinden war häufig mit sehr viel Recherchearbeit verbunden und ist es oft auch heute noch. Wem dies bereits zu aufwendig ist, der sollte sich vielleicht mal überlegen, wie groß sein Interesse für Urban Exploring tatsächlich ist. Das mag arrogant klingen, ist aber nun mal meine Meinung. Aus Bequemlichkeit andere die Arbeit machen zu lassen und sich selbst auf dem einfachsten Weg dann die Rosinen aus dem Kuchen zu picken, hat für mich nichts mit wirklichem Interesse zu tun.
 

+ + +
 

Da ich immer mal wieder gefragt werde, wie ich die Orte aus meinen Galerien finde, gerne auch hierzu ein paar Tipps zu meiner persönlichen Vorgehensweise (es ist schließlich nicht meine Intention, dass möglichst niemand lost places ausfindig macht, sondern dass man einerseits auch selbst etwas dafür tut und sich andererseits dort angemessen verhält):

In der Regel plane ich meine Touren im Vorfeld sehr genau und richte auch meine Urlaube gezielt darauf aus. Wenn ich eine Urbex-Tour vorbereite, durchforste ich akribisch jeden Meter der Satellitenbilder auf Google Earth und schaue mir dort verknüpfte Fotos entlang der Fahrtstrecke & Umgebung an. Auch das in Google Earth integrierte Google Street View kann helfen, wenngleich dieses leider nicht flächendeckend verfügbar ist, insbesondere in Deutschland nicht. Dennoch sind auch dort, wo Street View verfügbar ist, ab und zu mal völlig verwilderte Gärten, kaputte oder vernagelte Fenster usw. auszumachen - und manchmal hat man vor Ort dann eben Glück und rückseitig steht eine Tür oder ein Fenster offen. Ebenso lassen sich auf Panoramio unter dem Menüpunkt "Explore" oder über Google Fotos nach bestimmten Schlagwörtern (Tags) durchsuchen.
Natürlich erfordert all das Zeit, aber diese sollte man auch bereit sein zu investieren, wenn man sich wirklich dafür interessiert.

Unterwegs fahre ich, sofern es die zeitliche Planung zulässt, bewusst über Landstraßen und durch die Ortschaften, anstatt über Autobahnen, was mir schon manchen unerwarteten Zufallsfund beschert hat. Verlassene Gebäude finden sich zudem öfter mal in Industriegebieten oder entlang alter Bahnlinien. Abgelegene Häuser oder solche mit einem löchrigen Dach auf den Satellitenaufnahmen fahre ich oftmals einfach auf gut Glück an, wenn ich eh in der Gegend bin; manchmal steht es noch und ist tatsächlich unbewohnt. Darüber hinaus findet man im Internet auf Sammler- und Verkaufs-Portalen unzählige alte Postkarten. Einfach mal per Suchmaschine aktuelle Informationen über die darauf abgebildeten Gebäude einholen - auch hier war schon ab und zu eines dabei, das noch existiert und inzwischen verlassen ist.

Wenn ich auf Websites oder in Foren ein Objekt sehe, das mich interessiert, versuche ich, im Netz von verschiedenen Seiten Informationshäppchen zusammenzutragen, die Puzzleteile zusammenzusetzen und dann mittels Google sowie dessen Bildersuche evtl. mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Manchmal hat man Glück und findet etwas schnell, manchmal muss man tage- oder wochenlang unzählige Seiten durchstöbern und manchmal bleibt die Suche nach dem "Objekt der Begierde" eben auch erfolglos. Das ist nun mal so. Ich denke aber, dass sich mit diesen Ratschlägen das eine oder andere verlassene Gebäude finden lässt, wenn man bereit ist, auch etwas Zeit für die Suche zu "opfern".

Da ich das Hobby jetzt schon seit einigen Jahren betreibe, habe ich im Laufe der Zeit aber natürlich auch ein paar Kontakte geknüpft, zu denen man durch Treffen Vertrauen aufgebaut hat und von denen man ab und zu mal einen Tipp bekommt. Aber oft ist die Suche wie gesagt mit viel Zeitaufwand und Arbeit verbunden - das gehört für mich aber dazu und ich mache es auch gerne! Schließlich kann ich von anderen nicht etwas erwarten, was ich selbst nicht zu leisten bereit bin.
 

Ich hoffe jedenfalls, dass ihr meine Verschwiegenheit nun etwas besser nachvollziehen und vor allem respektieren könnt. Es geht wie gesagt nicht darum, die Lage mit allen Mitteln geheim zu halten, sondern um Vertrauen sowie um das angemessene und respektvolle Verhalten an entsprechenden Orten. Deshalb werde ich die Adressen der Orte auch weiterhin nur an jene Personen weitergeben, die ich persönlich oder zumindest seit längerem durch intensiven Telefon- und Online-Kontakt kenne.

In diesem Sinne liebe Grüße,
Andy


P.S.: Trotz dieser ausführlichen Erklärung bekomme ich weiterhin, teils mehrmals pro Woche, Anfragen von Fotografen, Studenten, Models, Bands, Firmen, Filmteams oder wem auch immer, die mich u.a. um die Nennung von Adressen bitten. In o. g. Text habe ich jedoch bereits alles hierzu gesagt und meine Beweggründe ausführlich erläutert.

Deshalb mache ich hiermit nochmals unmissverständlich deutlich, dass ich Anfragen nach Adressen und Tipps zur Lage der lost places nicht beantworte!

Darüber hinaus bin ich nicht an einer Mitwirkung an Zeitungsartikeln, TV-Beiträgen und Interviews sowie Bachelor-Arbeiten oder Studien-Seminaren u.s.w.  zum Thema Urbex / lost places interessiert; egal ob als Akteur, Fotograf oder Adressen-Geber. Ebenso wird die Verwendung meiner Aufnahmen von lost places von mir nicht genehmigt (siehe auch "Impressum & Rechtliches").

Wer meine Beweggründe nicht verstehen kann / will oder meine Meinung nicht teilt (was ja jedem freigestellt ist), und deswegen nun der Ansicht ist, ich sei "arrogant" (oder wie auch immer ich in Mails und Gästebucheinträgen betitelt wurde), soll dies von mir aus denken.
 

Einen weiterführenden Text zum Thema "Gedanken zur Urbex-Szene sowie zu Kritikpunkten an mir und meiner Website" findet ihr HIER.


 

www.Ruinenland.de