Ruinenland

 
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Eine persönliche Anmerkung zur Weitergabe von Adressen
& Anfragen nach Lagebeschreibungen


Trotz eines entsprechenden Hinweises bekomme ich häufig Anfragen per Email, in denen ich um die Nennung von Adressen gebeten werde. Die genaue Lage der auf meiner Website gezeigten Lost Places gebe ich an Unbekannte jedoch nicht weiter. Dies stößt immer wieder auf Unverständnis.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle näher darauf eingehen und meine Gründe erläutern.

Der oberste Grundsatz lautet, einen Ort wieder so verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben!
„Take nothing but pictures, leave nothing but footprints.“

Diebstahl, Vandalismus (inkl. dem Sprayen von Graffitis oder Spiele mit „Paintball- und Soft Air-Kugeln“ u. s. w.), randalieren & Zerstörungen in jeglicher Art (auch das Aufbrechen von Türen oder Fenstern, um ein Objekt betreten zu können) und die Entsorgung von Abfällen sind ein absolutes Tabu!

Da diese Regeln leider nicht für jeden selbstverständlich sind, gebe ich die Lage von Urbex-Objekten nur an Personen weiter, die ich kenne und denen ich vertraue. Andernfalls wäre es einfach nicht einschätzbar, wie sich jemand in einer Location verhält oder welchen Weg eine Adresse nimmt und in welche weiteren Hände sie möglicherweise gerät. Das hat wohl bemerkt nichts damit zu tun, dass ich Ortsangaben horten und auf biegen und brechen geheim halten würde, sondern dient lediglich dem Schutz der Gebäude.

Unbestreitlich ist ein Großteil der mutwilligen Zerstörungen auf meist ortsansässige Randalierer zurückzuführen, die keinerlei Interesse und Anerkennung für den historischen, kulturellen und optischen Wert verlassener Bauten besitzen. Dennoch gibt es auch genügend Beispiele von Lost Places, die jahrelang weitestgehend unberührt blieben - nach deren breiten Bekannt werden jedoch innerhalb kürzester Zeit aufgrund von Vandalismus, Graffitis, Paintball-Spielen und nicht zuletzt durch Diebstähle massiv verschandelt, geplündert und zerstört wurden.

Um nur mal ein Beispiel zu nennen:
Ein gewisses Anwesen mit allerlei Inventar lag viele Jahre quasi im Dornröschenschlaf. Nur wenige kannten es und ebenso wenige haben es besucht. Irgendwann verbreitete sich dessen Lage und es dauerte daraufhin keine sechs Monate, in denen sich der Zustand dieses Gebäudes nahezu wöchentlich verschlechterte: Kronleuchter und Inventar wurden gestohlen, verschlossene Schränke wurden gewaltsam aufgebrochen, ganze Möbel wurden für Foto-Arrangements umgestellt, Gegenstände wurden aus den Schränken gerissen. Nach etwa einem weiteren Jahr war ein Großteil der Einrichtung mutwillig zerstört, Scheiben waren eingeschlagen und Paintball-Spieler gaben dem Anwesen den Rest.

Wenn ein Objekt wie gesagt über Jahre hinweg nahezu unberührt bleibt, sich dessen Zustand aber just nach dem Bekannt werden der Adresse innerhalb kürzester Zeit derart verschlechtert, dann kann man einen Zusammenhang meines Erachtens nach nicht mehr von der Hand weisen. Zumal es sich bei dem o. g. Vorkommnis um keinen Einzelfall handelt, sondern es leider nur ein Beispiel von vielen ist!

Es ist eben nicht so, wie immer behauptet und argumentiert wird, dass Diebstähle und Zerstörungen ausschließlich von ortsansässigen Jugendlichen begangen würden. Manche Personen - ob Kupferdiebe, die ganze Leitungen aus den Wänden reißen oder Anhänger von „Endzeit-Spielen“ / „Military-Games“ - nehmen (wie ich für meine Fotos ja ebenso) z. T. durchaus auch längere Anfahrten in Kauf, um sich in neuen, lohnenswert erscheinenden Objekten auszutoben oder dort Beute zu machen.

Und noch einen weiteren Aspekt sollte man nicht außer Acht lassen: Urban Exploring / das Betreten und Erkunden von verlassenen Gebäuden ist in den meisten Fällen nun mal nicht legal und auch nicht immer ungefährlich. Auch in Hinblick darauf wollte ich es nicht mit verantworten, mir unbekannte Personen in ein Objekt „zu lotsen“. Wenn ich jemanden nicht kenne, kann ich weder dessen Absichten, noch dessen Verhalten und Risikobereitschaft abschätzen. Man muss zudem nur mal die mögliche Konsequenz bedenken, wenn jemandem ein Stein auf den Kopf fiele, jemand durch eine marode Decke bräche oder Ähnliches. Und das hätte ich durch die Weitergabe einer Adresse letztendlich (zumindest indirekt) mit zu verantworten.

Umso wichtiger finde ich es, die Motive zu erläutern, warum man mit Lagebeschreibungen, Ortsnamen und dergleichen nicht "hausieren" gehen sollte. Auch das Tauschen von Adressen mit Fremden sehe ich kritisch, da man nie sicher sein kann, welche Kreise das zieht und in welche Hände die Lage eines Objektes letztendlich möglicherweise gerät.
Ich muss zugeben, dass ich in meiner Anfangszeit diesbezüglich selbst etwas unbedarft und naiv war und mir zu wenige Gedanken darüber gemacht habe. Aber aus Fehlern lernt man bekanntlich und zum Glück lernt man nie aus.

Es gibt genügend Möglichkeiten, Gleichgesinnte kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und Vertrauen aufzubauen; sei es über Aktivität in entsprechenden Foren, der Teilnahme an Urbex-Stammtischen u. s. w. Daraus ergeben sich letztendlich auch gemeinsame Touren. Ich habe in meiner Anfangszeit auch nicht die Adressen auf einem Silbertablett serviert bekommen; das Auffinden war oft mit viel Recherchearbeit verbunden und ist es teils auch heute noch. Wem dies bereits zu aufwendig ist, der sollte sich vielleicht mal überlegen, wie groß sein Interesse für Urban Exploring tatsächlich ist. Das mag arrogant klingen, ist aber nun mal meine Meinung. Aus Bequemlichkeit andere die Arbeit machen zu lassen und sich selbst auf dem einfachsten Weg dann die Rosinen aus dem Kuchen zu picken, hat für mich nichts mit wirklichem Interesse zu tun.

In der Regel plane ich meine Touren im Vorfeld recht genau und richte auch meine Urlaube gezielt darauf aus. Ebenso fahre ich, sofern es die zeitliche Planung zulässt, bewusst über Landstraßen und durch die Ortschaften, anstatt über Autobahnen, was mir ebenfalls schon manchen unerwarteten Zufallsfund beschert hat. Navi und Satellitenaufnahmen sind hierbei natürlich eine große Hilfe. Ich durchforsche auch heute noch jeden Zentimeter von GoogleEarth, schaue mir dort verlinkte Fotos an und setze die Puzzleteile einzelner Informationshäppchen durch akribische Suche im Internet zusammen. Manchmal hat man Glück und findet etwas schnell, manchmal muss man tage- oder wochenlang unzählige Webseiten durchstöbern und manchmal bleibt die Suche nach dem „Objekt der Begierde“ eben auch erfolglos. Das ist nun mal so.

Ich hoffe jedenfalls, dass ihr meine Verschwiegenheit nun etwas besser nachvollziehen und vor allem respektieren könnt. Es geht wie gesagt nicht darum, die Lage mit allen Mitteln geheim zu halten, sondern um Vertrauen sowie um das angemessene und respektvolle Verhalten an entsprechenden Orten.
Deshalb werde ich die Adressen der Orte auch weiterhin nur an jene Personen weitergeben, die ich persönlich oder zumindest seit längerem durch intensiven Telefon- und Online-Kontakt kenne.

In diesem Sinne liebe Grüße,
Andy

 

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