Ruinenland

 
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Eine persönliche Anmerkung zur Weitergabe von Adressen
sowie zu Anfragen nach Lagebeschreibungen

- und wie ich die verlassenen Orte finde -


An mehreren Stellen meiner Website habe ich vermerkt, dass ich die genaue Lage der auf meiner Website gezeigten Lost Places nicht weitergebe. Dies stößt immer wieder auf Unverständnis, teils gar auf harsche Kritik.
Deshalb möchte ich an dieser Stelle näher darauf eingehen und meine Gründe erläutern.
 

Der oberste Grundsatz lautet, einen Ort wieder so verlassen, wie wir ihn vorgefunden haben:
„Take nothing but pictures, leave nothing but footprints.“

Diebstahl, randalieren & Vandalismus (inkl. dem Sprayen von Graffiti oder Paintball-Spiele) und Zerstörungen jeglicher Art (auch das Aufbrechen von Türen oder Fenstern, um ein Objekt betreten zu können) sowie die Entsorgung von Abfällen sind ein absolutes Tabu!

Da diese Regeln leider nicht für jeden selbstverständlich sind, gebe ich die Lage von verlassenen Orten nur an Personen weiter, die ich kenne und denen ich vertrauen kann! Andernfalls wäre es einfach nicht einschätzbar, wie sich jemand in einer Location verhält oder welchen Weg eine Adresse nimmt und in welche weiteren Hände sie möglicherweise gerät. Das hat wohlgemerkt nichts damit zu tun, dass ich Ortsangaben horten und auf biegen und brechen geheim halten würde, sondern dient lediglich dem Schutz der Gebäude, wie auch dem der Personen selbst.
Nun wird mir bei entsprechenden Anfragen nach einem Standort immer wieder versichert, nichts zu beschädigen, nichts zu stehlen, vorsichtig zu sein, die Adresse nicht weiter zu geben usw. Ich will gar nicht abstreiten, dass die meisten tatsächlich so handeln würden. Aber ich weiß es nun mal nicht

Unbestreitlich sind mutwilligen Zerstörungen nicht selten mitunter auf ortsansässige Randalierer zurückzuführen, die keinerlei Interesse und Anerkennung für den historischen, kulturellen und optischen Wert verlassener Bauten besitzen. Dennoch gibt es traurigerweise auch etliche(!) Beispiele von Lost Places, die über Jahre, teils Jahrzehnte, weitestgehend unberührt blieben - doch nachdem sich deren Standort herumgesprochen hatte, wurden diese Orte schließlich innerhalb kürzester Zeit aufgrund von Vandalismus, Graffitis, Paintball-Spielen und nicht zuletzt durch Diebstähle massiv verschandelt, geplündert und zerstört.
Manche verlassene Anwesen lagen viele Jahre quasi im Dornröschenschlaf. Nur wenige kannten diese Orte und ebenso wenige haben sie besucht. Irgendwann jedoch verbreitete sich deren Lage und es dauerte daraufhin oftmals nicht lange, bis sich der Zustand dieser Gebäudes nahezu wöchentlich veränderte und verschlechterte: Die Einrichtung wurde umdekoriert und gar komplette Möbelstücke wurden für Foto-Arrangements umgestellt -- Verschlossene Schränke wurden gewaltsam aufgebrochen -- Kleidung und andere Gegenstände wurden aus den Schränken gerissen -- Gemälde, Kronleuchter und Inventar wurden gestohlen -- Wände wurden mit Graffiti besprüht -- Nach der Nutzung als "Party-Location" oder für Foto-Shootings wurde jeglicher Müll zurückgelassen -- Scheiben wurden eingeworfen -- Waschbecken und andere Dinge wurden zertrümmert -- Paintball-Spieler tobten sich im Gebäude aus -- Durch Unachtsamkeit oder bewusste Brandstiftung fielen Gebäude den Flammen zum Opfer...

Wenn ein Objekt wie gesagt über Jahre hinweg nahezu unberührt bleibt, sich dessen Zustand aber just nach dem Bekannt werden der Adresse innerhalb kürzester Zeit derart verschlechtert, dann kann man einen Zusammenhang meines Erachtens nach nicht mehr von der Hand weisen! Zumal es sich bei den o. g. Vorkommnissen leider keinesfalls um einen Einzelfall handelt.
Es ist eben nicht so, wie oft behauptet und argumentiert wird, dass Diebstähle und Zerstörungen ausschließlich von ortsansässigen Jugendlichen begangen würden. Manche Personen - ob Kupferdiebe, die ganze Leitungen aus den Wänden reißen, "Antiquitäten-Sammler" oder Anhänger von „Endzeit-Spielen“ / „Military-Games“ - nehmen (wie ich für meine Fotos ja ebenso) z. T. durchaus auch längere Anfahrten in Kauf, um sich in neuen, lohnenswert erscheinenden Objekten auszutoben oder dort Beute zu machen.

So erklärt sich auch, warum viele verlassene Objekte mit "Fakenamen" benannt und nicht immer Außenaufnahmen gezeigt werden. Und nicht zuletzt zerstören auch "Urbex-Dekorateure", die für ihre Fotos alles mögliche umstellen und arrangieren, jegliche Authentizität der Orte. Im Übrigen führen u. U. auch "Massenaufläufe", unkontrolliertes Blitzen & Ausleuchten oder lautstarke Erkundungen dazu, dass Anwohner / Eigentümer auf Besucher aufmerksam werden. Und das kann wiederum zur Folge haben, dass ein Objekt stärker kontrolliert oder gar dicht gemacht wird.

Und noch einen weiteren Aspekt sollte man nicht außer Acht lassen: Urban Exploring / das Betreten und Erkunden von verlassenen Gebäuden ist in den meisten Fällen nun mal nicht legal und auch nicht immer ungefährlich. Auch in Hinblick darauf wollte ich es nicht mitverantworten, mir unbekannte Personen in ein Objekt „zu lotsen“. Wenn ich jemanden nicht kenne, kann ich weder dessen Absichten, noch dessen Verhalten und Risikobereitschaft abschätzen. Man muss zudem nur mal die mögliche Konsequenz bedenken, wenn jemandem ein Stein auf den Kopf fiele, jemand durch eine marode Decke bräche oder Ähnliches. Und das hätte ich durch die Weitergabe einer Adresse letztendlich (zumindest indirekt) mit zu verantworten. Und somit ist es für mich bereits dadurch ausreichend begründet, dass ich den Standort der lost places mir unbekannten Personen generell nicht nicht nenne! Daran ändert sich auch nichts, wenn mir jemand schreibt, dass er in einem Objekt nicht randaliert und sich angemessen verhält (was ich eh nicht kontrollieren könnte).

Umso wichtiger finde ich es, die Motive zu erläutern, warum man mit Lagebeschreibungen, Ortsnamen und dergleichen nicht "hausieren" gehen sollte. Das Tauschen von Adressen mit Fremden sehe ich kritisch, da man nie sicher sein kann, welche Kreise das zieht und in welche Hände die Lage eines Objektes letztendlich möglicherweise gerät.
Ich muss zugeben, dass ich in meiner Anfangszeit diesbezüglich selbst etwas unbedarft und naiv war und mir zu wenige Gedanken darüber gemacht habe. Aber aus Fehlern lernt man bekanntlich und zum Glück lernt man nie aus. Früher dachte ich "Mir macht das Erkunden und Fotografieren Spaß, warum soll ich anderen das vorenthalten?" Aber heute sehe ich das aus genannten Gründen differenzierter, bzw. muss es bedauerlicherweise aus einem anderen Blickwinkel sehen.
 

+ + +
 

Da ich immer mal wieder gefragt werde, wie ich die Orte aus meinen Galerien finde, gerne auch hierzu ein paar Tipps zu meiner persönlichen Vorgehensweise (es ist schließlich nicht meine Intention, dass möglichst niemand lost places ausfindig macht, sondern dass man einerseits auch selbst etwas dafür tut und sich andererseits dort angemessen verhält):

In der Regel plane ich meine Touren im Vorfeld sehr genau und richte auch meine Urlaube gezielt darauf aus. Wenn ich eine Urbex-Tour vorbereite, durchforste ich akribisch jeden Meter der Satellitenbilder auf Google Earth und schaue mir dort verknüpfte Fotos entlang der Fahrtstrecke & Umgebung an. Auch das in Google Earth integrierte Google Street View kann helfen, wenngleich dieses ältere Aufnahmen zeigt und zudem leider nicht flächendeckend verfügbar ist, insbesondere in Deutschland nicht. Dennoch sind auch dort, wo Street View vorhanden ist, ab und zu mal völlig verwilderte Gärten, kaputte oder vernagelte Fenster usw. auszumachen - und manchmal hat man vor Ort dann eben Glück und rückseitig steht eine Tür oder ein Fenster offen. Natürlich erfordert all das Zeit, aber diese sollte man auch bereit sein zu investieren, wenn man sich wirklich dafür interessiert.

Sehe ich auf den Satellitenaufnahmen von Google Earth abgelegene Häuser oder solche mit einem löchrigen Dach, fahre ich diese oftmals einfach auf gut Glück an, wenn ich eh in der Gegend bin; manchmal steht es noch und ist tatsächlich unbewohnt.

Unterwegs fahre ich, sofern es die zeitliche Planung zulässt, bewusst über Landstraßen und durch die Ortschaften, anstatt über Autobahnen, was mir schon manchen unerwarteten Zufallsfund beschert hat. Verlassene Gebäude finden sich zudem öfter mal in Industriegebieten oder entlang alter Bahnlinien.

Darüber hinaus findet man im Internet auf Sammler- und Verkaufs-
Portalen unzählige alte Postkarten. Einfach mal per Suchmaschine aktuelle Informationen über die darauf abgebildeten Gebäude einholen - auch hier war schon ab und zu eines dabei, das noch existiert und inzwischen verlassen ist.

Wenn ich auf Websites oder in Foren ein Objekt sehe, das mich interessiert, versuche ich, im Netz von verschiedenen Seiten Informationshäppchen zusammenzutragen, die Puzzleteile zusammenzusetzen und dann mittels Google sowie dessen Bildersuche evtl. mehr darüber in Erfahrung zu bringen. Manchmal hat man Glück und findet etwas schnell, manchmal muss man tage- oder wochenlang unzählige Seiten durchstöbern und manchmal bleibt die Suche nach dem "Objekt der Begierde" eben auch erfolglos. Das ist nun mal so. Ich denke aber, dass sich mit diesen Ratschlägen das eine oder andere verlassene Gebäude finden lässt, wenn man bereit ist, auch etwas Zeit für die Suche zu "opfern".

Da ich das Hobby jetzt schon seit einigen Jahren betreibe, habe ich im Laufe der Zeit aber natürlich auch ein paar Kontakte geknüpft, zu denen man durch persönliche Treffen Vertrauen aufgebaut hat und von denen man ab und zu mal einen Tipp bekommt. Aber oft ist die Suche wie gesagt mit viel Zeitaufwand und Arbeit verbunden - das gehört für mich aber dazu und ich mache es auch gerne! Schließlich kann ich von anderen nicht etwas erwarten, was ich selbst nicht zu leisten bereit bin. Und das Erfolgserlebnis, wenn man selbst etwas gefunden hat, ist zudem auch ein gutes Gefühl.

Es gibt genügend Möglichkeiten, Gleichgesinnte kennen zu lernen, Kontakte zu knüpfen und erst mal gegenseitiges Vertrauen aufzubauen - sei es über Aktivität in entsprechenden Foren und online-Gruppen zum Thema, der Teilnahme an Urbex-Treffen usw. Liegt man auf einer Wellenlänge, ergeben sich daraus letztendlich auch gemeinsame Touren.
Ich habe in meiner Anfangszeit auch nicht die Adressen auf einem Silbertablett serviert bekommen; das Auffinden war häufig mit viel Recherchearbeit verbunden und ist es sehr oft auch heute noch. Wem dies bereits zu aufwendig ist, der sollte sich vielleicht mal überlegen, ob Urbex tatsächlich das geeignete Hobby für ihn ist. Das mag arrogant klingen, ist aber nun mal meine Meinung. Aus Bequemlichkeit andere die
Arbeit machen zu lassen und sich selbst auf dem einfachsten Weg dann die Rosinen aus dem Kuchen zu picken, hat für mich nichts mit wirklichem Interesse zu tun.
Diesbezüglich wurden mir in den vergangen Jahren schon des Öfteren Dinge geschrieben, wie "Ich arbeite / ich habe zu viel zu tun und zu viele Verpflichtungen / ich habe Frau und Kind ... und deshalb nicht die Zeit, selbst nach solchen Orten zu suchen." Das ist für mich jedoch keinesfalls ein Argument. Erstens ist es wohl recht unrealistisch, dass jemand, aus welchen Gründen auch immer, NIE Freizeit hat (wäre dem so, hätte diese Person schließlich auch nicht die Zeit, um zu den verlassenen Orten zu fahren...). Und zweitens kann man als Vergleich ja auch nicht sagen "Mein Hobby ist zwar lesen, aber ich habe keine Zeit dafür, also lies mir das Buch gefälligst vor." Dann muss man sich eben eine Alternative suchen - und ein Hörbuch kaufen. ;)  Sprich: Entweder die Ansprüche zurückschrauben und stattdessen eine schöne Burgruine besuchen, oder einen Kompromiss eingehen, und z.B. an geführten Begehungen in verlassenen Orten teilnehmen (die online zu finden sind), für die man bezahlen muss und in denen man nicht alleine ist. Man kann nicht sagen "Ich will Goldnuggets finden, aber schürfen und sich die Hände schmutzig machen, soll sich dafür ein anderer." Mir ist bewusst, dass mir das von manchen als Überheblichkeit ausgelegt werden mag, aber so sehe ich es nun mal.

Wer unterwegs auf verwaise Gebäude stoßen möchte, dem kann ich zudem als nächstes Urlausziel eine Rundreise durch Tschechien, Polen, Rumänien oder Ostdeutschland empfehlen. Die dortigen Objekte sind zwar im Inneren häufig entkernt, aber architektonisch & fotografisch zum Teil dennoch interessant.
 

+ + +
 

Manche mögen meine Beweggründe trotz der hiesigen Stellungnahme nicht verstehen oder meine Meinung nun mal nicht teilen (was ja jedem freigestellt ist).
Aber ich hoffe, dass ihr meine Verschwiegenheit bezüglich der Standorte nun etwas besser nachvollziehen und vor allem respektieren
könnt.

In diesem Sinne liebe Grüße,
Andy


P.S.: Trotz meiner ausführlichen Erklärung bitten mich weiterhin Fotografen, Studenten, Models, Bands, Firmen, Filmteams usw. um Nennung von Standorten oder weitergehende Tipps zur Lage der lost places. Hierzu habe ich oben jedoch bereits alles gesagt. Ebenso habe ich auf meiner Website mehrfach darauf hingewiesen, dass ich nicht an einer Mitwirkung an Zeitungsartikeln, TV-Beiträgen, Bachelor-Arbeiten usw. zum Thema Urbex / lost places interessiert bin, und darauf nicht antworte.
Sicherlich gibt es einige, die diesen Text gar nicht erst lesen und auch den entsprechenden Hinweis ignorieren. Dann dürfen sie sich aber auch nicht darüber beschweren, wenn ich entsprechende Anfragen (wie von mir angekündigt) gleichfalls ignoriere. Wenn deshalb manche nun der Ansicht sind, dass ich arrogant sei (oder wie auch immer ich in Mails und Gästebucheinträgen betitelt wurde), bzw. dass ich mit meiner Website nur mein Ego befriedigen wolle, dann kann ich es auch nicht ändern.

 

Einen weiterführenden Text zum Thema "Gedanken zur Urbex-Szene sowie zu Kritikpunkten an mir und meiner Website" findet ihr HIER.
 


 

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